Sabine Mainberger ist Professorin für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Bonn und CERC-Mitglied.
Aus einer Zusammenarbeit mit Andreas Pfersmann von der Université de la Polynésie française, der 2025 als Mercator-Fellow zu Gast an der Universität Bonn war, ist ein Band zur zeitgenössischen Literatur und Anthropologie im frankophonen Ozeanien hervorgegangen, das jetzt im Aisthesisverlag erschienen ist:
Seit dem 18. Jahrhundert ist die ‚Südsee‘ ein Ort europäischer Wunschträume. Die Berichte der ersten Reisenden haben einen Mythos von üppiger Natur, friedlichen Zuständen und einfachem Leben geschaffen. Nachhaltig wirksam war insbesondere die Kunde von überwältigender, nicht zuletzt sexueller, Gastfreundschaft. Was aber bedeuten diese Phantasmen für die Menschen dort? Welche Rolle spielen in ihrer Geschichte und in ihrem Selbstbild die Projektionen der Kolonisatoren, der ‚Entdecker‘, Missionare, Wissenschaftler und Zivilisationsflüchtlinge? Welches Echo haben historische Missverständnisse noch heute in Fragen von Identität? Der vorliegende Band thematisiert wissenschaftliche und literarische Auseinandersetzungen mit diesen Problemen. Er bietet Studien des Ozeanienspezialisten Serge Tcherkézoff und ein Gespräch mit ihm, Ausschnitte aus gegenwärtiger Literatur des frankophonen Pazifiks sowie Essays, die literarische Texte und die Überlegungen des Anthropologen zusammenführen.
Jenseits der Südsee-Mythen. Zeitgenössische Literatur und Anthropologie im frankophonen Ozeanien. Herausgegeben von Sabine Mainberger und Andreas Pfersmann. Bielefeld: Aisthesis, 2026.
Der Text ist auch online als Open Access-Ausgabe verfügbar.