23. September 2026

Innovative Erinnerungsarbeit zum Thema Sklavenhandel Innovative Erinnerungsarbeit zum Thema Sklavenhandel

Deutsch-französischer Erfahrungsaustausch im Musée de l’histoire de Nantes

Musée de l'histoire de Nantes
Musée de l'histoire de Nantes © CERC
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„Wie kann man Objekte zum Sprechen bringen?“ Unter dieser Fragestellung hat vom 9. bis 11. September 2026 im stadthistorischen Museum der Stadt Nantes ein Workshop des Frankreichzentrums Centre Ernst Robert Curtius (CERC) in Kooperation mit dem Bonn Center for Dependency and Slavery Studies (BCDSS) und dem Musée d'histoire de Nantes im Château des ducs de Bretagne stattgefunden. Das Museum hat eine herausragende, international anerkannte Bedeutung für die Erforschung und museale Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels, dessen französisches Zentrum Nantes im 18. Jahrhundert war. Die Stadt war Umschlagplatz für rund 40 Prozent aller Verschleppungen von Frankreich nach Amerika und in die Karibik.

Ziel des Workshops war die Sondierung einer vertieften Kooperation zwischen Bonn und Nantes. Im Mittelpunkt standen Objekte und Ausstellungsräume zum Thema Sklavenhandel, u.a. die weltberühmten Aquarelle zum Sklavenschiff „Marie-Séraphique“, zu dem der Direktor des Museums, Bertrand Guillet, selbst geforscht und umfangreich publiziert hat. Weitere Vorträge am ersten Veranstaltungstag analysierten weitere Objekte, Ausstellungs- und Museumsbeispiele.

Während des dreitägigen Aufenthaltes vor Ort fand ein intensiver Austausch mit dem gesamten Team des Hauses statt, über das Thema der Sklaverei hinaus u.a. auch zu Fragen der musealen Präsentation der Geschichte der beiden Weltkriege.

Auch zeitgenössische Kunst kann nach Erfahrung der Museumsleitung dazu beitragen, historische Themen innovativ zu vermitteln und neue Zielgruppen zu erreichen. Besonders interessant ist die Veranstaltungsreihe „Expressions (dé)coloniales“, die aktuell in vierter Auflage im Museum zu sehen ist. Die beiden international erfolgreichen Künstlerin Rosana Paulino und Omar Victor Diop wurden eingeladen, eigene Arbeiten neben Objekten der Dauerausstellung des Musée d’histoire zu präsentieren, um neue Denkanstöße zu geben und neue Perspektiven zu ermöglichen. Zusätzlich zeigt „Expressions (dé)coloniales #4“ auch Texte der beninischen Historikerin Lylly Houngnihin, Gründerin und Leiterin von Totems Afrikaraïbes, die Geschichte, Erinnerung, Poesie, Kultur und Sensibilität mit ausgewählten Museumsobjekten verbinden.

Eine wichtige Frage, die immer wieder aufkam, war diejenige nach dem Verhältnis von Erinnerung und Geschichte. Diese wurde insbesondere bei einem Besuch des 2012 eröffneten Mémorial de l’abolition de l’esclavage am Ufer der Loire greifbar, für das das Team des Musée d’histoire ebenfalls mit verantwortlich ist. Abgerundet wurde der Workshop durch Vorträge von Mitgliedern der 2019 unter der Präsidentschaft von Emmanuel Macron gegründeten Pariser Fondation pour la mémoire de l’esclavage.

Wir danken den französischen Kolleginnen und Kollegen für Ihren Empfang und den intensiven Austausch und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

Mémorial
Mémorial © CERC
Musée de l'histoire de Nantes
Musée de l'histoire de Nantes © CERC
Nantes
Nantes © CERC
Musée de l'histoire de Nantes
Musée de l'histoire de Nantes © CERC
Musée de l'histoire de Nantes
Musée de l'histoire de Nantes © CERC
Mémorial
Mémorial © CERC
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