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Ulrich Schlie

Stand und Perspektiven der deutsch-französischen Sicherheitsbeziehungen

Deutschland und Frankreich sind in ihren Zielen durch vielfältige politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Verflechtungen und die Strukturen ihrer bilateralen Zusammenarbeit auf einzigartige Weise miteinander verbunden. Deutsch-französische Zusammenarbeit ist darüber hinaus beispielgebend für eine Vielzahl anderer bilateraler Beziehungen. Indes ist Europa heute durch die zum gegenwärtigen Zeitpunkt in ihrer Dimension noch nicht absehbaren Folgen der Corona-Pandemie, sowie durch eine weitere Vielzahl von strategischen Herausforderungen - im Balkan, im Mittelmeerraum und in den Nachbarschaften zur Türkei oder zur Ukraine - mehr denn je gefordert. Europa ist auf Führung angewiesen – eine Führung, die ohne Frankreich und Deutschland nicht vorstellbar ist. 

Deutschland und Frankreich verfügen über ein einzigartiges Netzwerk und bewährte Strukturen der Zusammenarbeit. Trotzdem ist das deutsch-französische Verhältnis in den letzten Jahren unter seinen Möglichkeiten geblieben. So sind die Definition gemeinsamer strategischer Räume und die vertiefte Auseinandersetzung mit einer gemeinsamen Strategie zu kurz gekommen. Dazu haben lang bestehende Kooperationsprojekte auf Grund von Fehlperzeptionen, Missverständnissen und nicht hinreichendem Vertrauen in ihrer Umsetzung gelitten. Die tiefer liegenden Ursachen dafür sind vielschichtig: das komplexere Umfeld, die größere Zahl an Mitgliedsstaaten, der Verlust von gegenseitigem Vertrauen, gescheiterte Kooperationsprojekte, überwunden geglaubte nationale Egoismen, selbst auferlegte Beschränkungen, unterschiedliche „Systeme“ und Kulturen. 

Im Rahmen des zunächst auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekts geht es insbesondere um eine Analyse von Unterschieden und Gemeinsamkeiten Deutschlands und Frankreichs, die die jeweilige Weltsicht und die strategische Kultur betreffen. Hinzu kommt die Identifizierung von künftigen Handlungsfeldern und wie von den deutsch-französischen Beziehungen in Zukunft noch wegweisendere Impulse für Europa und die Welt ausgehen können. Das Zielverständnis des Projekts definiert sich wie folgt: Die Beschreibung der Rahmenbedingungen, der sicherheitspolitischen Zielsetzungen, der Rolle von Streitkräften und, darauf aufbauend, die Herausbildung eines gemeinsamen strategischen Ansatzes soll (1) im Resultat zu Vorüberlegungen zu einem gemeinsamen deutsch-französischen Weißbuch zur Sicherheitspolitik führen, (2) als Impuls für das neue Strategische Konzept der Nordatlantischen Allianz begriffen werden können. 

Im Herbst 2021 wird ein Bericht mit operativen Vorschlägen zur künftigen Gestaltung der deutsch-französischen Sicherheitsbeziehungen vorgelegt und im Rahmen einer größeren öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung in Bonn präsentiert. Die Veröffentlichung von Teilergebnissen in Form von Arbeitspapieren erfolgt ab Dezember 2020. Im Zusammenhang mit dem Forschungsvorhaben befindet sich ein deutsch-französischer Arbeitskreis zu strategischen Fragen im Aufbau. Masterarbeitsthemen, Dissertationsprojekte und weitere Anstöße zu Einzelaspekten der deutsch-französischen Sicherheitsbeziehungen sollen aus dem Forschungsvorhaben hervorgehen. Die deutsch-französischen Beziehungen bilden einen Schwerpunkt der Henry Kissinger Professur zu Sicherheits- und Strategieforschung. 

  Kontakt: Malte Schrage, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, [Email protection active, please enable JavaScript.]

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