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Sara Izzo

Das Mittelmeer als identitäres Spannungsfeld in der französischen und italienischen Literatur der Moderne

Was ist das Mittelmeer und wenn ja, wie viele? Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive kann das Mittelmeer als kollektiver Vorstellungsraum verstanden werden, der im Schnittbereich von referentieller und diskursiver Bezugnahme auf ein raumzeitliches Gefüge entsteht, welches unter geopolitischen, soziokulturellen und ideengeschichtlichen Prämissen ausgedeutet wird. Als makrokosmischer Chronotopos wird das Mittelmeer in seiner literarischen Aneignung somit immer wieder neu abgesteckt und semantisiert. Wenn insbesondere in der französischen Forschung von einer auf den Beginn des 19. Jahrhunderts datierten ‚invention‘ des Mittelmeers die Rede ist (cf. Saminadayar-Perrin 2012; Bourget et al. 1998) spiegelt dies die Konjunktur einer vor dem Hintergrund kolonialer Deutungspolitik aktivierten nationalen Vereinnahmung der Méditerranée wider. Die komparatistische Untersuchung sowohl französischer als auch italienischer Texte aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert soll zeigen, dass die Konstruktion des Mittelmeers in diesem spezifischen kolonialen Gesellschaftsgefüge vor allem einer europäischen Vorstellungswelt entspringt. Das Anknüpfen an ein gemeinsames transnationales Erbe steht dabei einer Reaktivierung verschiedener mononationaler Traditionen gegenüber. Vor dieser Folie nimmt das Mittelmeer im literarischen Speichermedium die Funktion eines erinnerungsspezifischen Konflikt- und Kommunikationsraums unterschiedlicher kultureller Identitäten ein.

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